Forenthema:Gesundheitsvorsorge – Prävention – Krankheiten
Forentitel:Schlafstörungen
Beitrag:extreme chronische Schlafstörung
AutorFrage an den Experten
Frau Irmi vom 14.06.2010 14:25 Uhr

Guten Tag Herr Doktor,

zufällig bin ich gerade auf Ihre Internetseite gestoßen und ich darf Ihnen von meinen extremen  Schlafstörungen erzählen.

Ich bin 58 Jahre und seit nunmehr 30 Jahren begleitet mich eine immer heftiger werdende Schlafstörung, die mich inzwischen verzweifelen läßt. Es handelt sich bei mir und eine Ein- und Durchschlafstörung, die meine Lebensqualität immer mehr einschränkt. Mit 40 Jahren war die Schlafstörung bereit so schlimm, dass ich nicht mehr arbeiten konnte. Nun kämpfe ich mich durch die Tage und schleppe mich durch die Nächte.

In diesen 30 Jahren war ich bereits 6 Mal in Schlaflabors, wo man aber auch nur feststellte, dass ich einen starken Mangel an Schlaf  aufweise. Gewöhnlich zwischen 0 bis 4 Stunden, je nach Medikation. 25 Jahre lang habe ich nun Trymipramin bis zu 100 mg eingenommen, die inzwischen aber keinerlei Wirkung haben. Genausowenig haben die Schlaftabletten, Stilnox, Ximovan und wie sie alle heißen noch eine Wirkung. Ich habe sämtliches an alternativer Medizin versucht wie Osteopathie, Cranio Sacraltherapie, Ayurvedakur, TCM, mehrere Male Hypnose, Akupunktur, Reiki, Meditation, Yoga, Kinesiologie, eine Menge Heilpraktiker bis hin zum Wunderheiler u.v.m. Zweimal war ich in einer psychosomatischen Klinik, wo man mich schlaflos entlassen musste. Genauso in der Psychiatrie, wo das Schlaflabor angeschlossen war. Immer hat man mich nur mit einer Menge Medikamenten versorgt wie Seroquel, Tavor, Tranxilicum, Rohibnol, Lexotanil, Lyrika.

Seit längerer Zeit halte ich es so, dass ich zwei Nächte durchwache und dann am 3. Tag, wo ich mich fühle, wie kurz vor dem Wahnsinn und starke Herz-Kreislaufbeschwerden wie inneres Zittern, Herzrasen nicht vermeiden kann, nehme ich am Abend 1 - 2 Tavor, um ruhiger zu werden. Damit schlafe ich dann ca. 4 - 5 Stunden und erledige am nächsten Tag dann die Arbeiten, zu denen ich sonst nicht fähig bin.

Ich muss erwähnen, dass ich ein lebensbejahender Mensch bin mit sehr viel Energie. Vermutlich kann ich es auch nur so einigermaßen aushalten.

Diese Woche war ich bei einem bekannten brasilianischen Wunderheiler in Spanien. Er meinte nur, dass ich sehr viel Energie hätte und keine Benzos mehr nehmen soll. Sein Hand Auflegen hat mich leider nicht vor weiterer Tavoreinnahme bewahren können.

Sie sehen, wie verzweifelt ich bin, dass ich bereits die Wunderheiler finanziell unterstütze. Ich habe bereits ein Vermögen ausgegeben für alle meine Versuche.

Im Dezember war ich im Schlafmedizinischen Institut in Regensburg bei Prof. Zulley, Dort stelle man auch nur fest, dass ich im Schlaflabor so gut wie nicht geschlafen habe, versuchte es mit neuen Medikamenten und dann entließ man mich wieder schlaflos.

Ich bin mir bewußt, dass ich ein äußerst schwieriger Fall bin und ich erwarte nur auch kein Wundermittel von Ihnen.

Vielleicht fällt Ihnen doch noch etwas ein, was ich noch nicht unternommen habe.

Danke im voraus für eine  Antwort und

freundliche Grüße

Irmi Höpfl

Immer wieder habe ich Versuche gemacht, die Medikamente für längere Zeit auszusetzen und habe Melatoni, 5 HTP, L-Tryptophan, Vitamine, Mineraltherapien, Aminosäuren, Baldrian, Johanniskraut etc. in höheren Dosen eingenommen.

 

Herr Dr. med. Werner G. Gehring Antwort vom 14.06.2010 14:42 Uhr
Sehr geehrte Frau Höpfl, Sie haben alles getan was man tun kann!
Zu Ihrer weiteren Info hier etwas zum Thema Risikofaktoren und Schlafstörungen:

Die Krankheitsentstehung der Insomnie (Schlafstörung) ist sehr vielfältig:

Ursachen

Biographische Ursachen

  • Alter – im Laufe des Alterns nehmen die Phasen des Tiefschlafes und die Schlaftiefe ab, die Tendenz zum nächtlichen Erwachen nimmt zu
  • Geschlecht – Frauen leiden mit zunehmendem Alter häufiger an Schlafstörungen als Männer
  • Hormonelle Störungen – zum Beispiel 17-Beta-Östradiol-Mangel bei der Frau
  • Während oder nach der Menopause (Wechseljahre der Frau) – es ergeben sich ebenfalls hormonelle Veränderungen
  • Während der Menstruation (Regelblutung)

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    -  
    Physiologische Ursachen – Nächtliches Essen oder Trinken
  • Genussmittelkonsum
    Alkohol
    Kaffee
    Tabak (Rauchen)
  • Psycho-soziale Situation
    - Psychologische Ursachen wie Ärger, ungelöste Probleme, Ehekrisen, belastende Situationen, Überarbeitung, Leistungsdruck
    -
    Stress
  • Fehlen des gewohnten Schlafrituals
  • Übergewicht (BMI >= 25; Adipositas) – steht auch im Zusammenhang mit der Schlaf-Apnoe

Krankheitsbedingte Ursachen

Medikamente

  • Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und einige Trizyklika) – Medikamente, die bei Depressionen eingesetzt werden wie
  • Betablocker
  • Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Reboxetin, Desipramin oder Atomoxetin
  • Dopaminagonisten wie Bromocriptin, Lisurid, Pramipexol, Ropinirol – diese Medikamentengruppe wird vor allem zur Hemmung der Prolaktinsekretion eingesetzt
  • Ginseng
  • Medikamente, die Coffein enthalten wie Guarana
  • Medikamente mit Theophyllin
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) bzw. NSAID (non steroidal anti inflammatory drugs) sind Nichtopioid-Analgetika, die ihrer entzündungshemmenden (antiphlogistischen) Wirkung wegen symptombezogen auch zur Rheumatherapie eingesetzt werden – z. B. Aspirin, Ibuprofen, Indometacin etc.
  • Parkinson-Medikamente Levodopa, Pergolid oder Pramipexol
  • Psychotrope Substanzen wie Amphetamin und seine Derivate Ephedrin oder Pseudoephedrin; Methylphenidat (Medikament in der Therapie der ADHS), Modafinil (Medikament zur Therapie der Narkolepsie); Amphetamine und dessen Derivate wirken auch appetithemmend
  • Thyroxin (Schilddrüsenhormon) – wird teilweise missbräuchlich als Medikament zur Gewichtsreduktion eingesetzt
  • Zytostatika (Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen)

Operationen

Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Physikalische Ursachen – Höhenbedingte Schlafstörung, Lärm, helles Licht etc.
  • Wohn- und Umweltgifte – Spanplatten, Lacke, Holzschutzmittel, Wandfarbe, Bodenbeläge etc.

Weitere Ursachen

  • Alpträume
  • Schichtarbeit – Störung des Biorhythmus –, Zeitzonenwechsel etc.
  • Schnarchen
  • Schwangerschaft

Schlafstörungen und ihre Auswirkungen auf eine große Anzahl von wichtigen körperlichen und geistigen Funktionen sind ein wesentlicher Faktor von sowohl ursächlicher als auch auslösender Bedeutung für eine Reihe von Alterungsmechanismen. Schlafstörungen können auch ein Symptom fürAlterungsprozesse sein.


Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung etc.

  • Melatonin-Serumspiegel
  • Melatonin als 6-Sulfatoxymelatonin – Urin in 6-stündlichen Perioden über 24 Stunden gesammelt

Alles Gute - Ihr Dr. med. Werner G. Gehring (Frauenarzt; gynäkologische Endokrinologie)
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im DocMedicusGesundheitsportal unter
Schlafstörungen

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