Forenthema:Gesundheitsvorsorge – Prävention – Krankheiten
Forentitel:Zahn- und Zahnhalteapparaterkrankungen
Beitrag:Wurzelbehandlung
AutorFrage an den Experten
Frau Kathy vom 13.03.2008 15:22 Uhr
Lieber Experte, ich bin in der 15. Schwangerschaftswoche und mir ist
bei einem wurzelbehandelten Zahn, der mit einer großen weißen Plombe befüllt war, die Plombe herausgefallen und der Zahn bis zur
Wurzel abgebrochen. Ich war beim Zahnarzt und er sagte mir, daß
man nichts anderes machen könnte, als die Wurzel ziehen, da die
Oberfläche weich ist und hier keine Füllung halten würde. Eine Krone könnte man auch nach der Schwangerschaft mit nur einer kurzen Wurzel nicht aufbauen. Wegen der Spritze (habe eine Risikoschwangerschaft) könnte ich jedoch das alles einmal so offen lassen wie es ist und erst nach der Schwangerschaft die Wurzel reißen lassen.
Es ist trotzdem sehr ungewohnt für mich, mit einer offenen Wurzel
zu kauen, da sich auch sämtliche Speisereste dort sammeln. Meine
Frage nun: Ich weiß nicht genau, wie Wurzelfüllungen gemacht werden. Ich weiß, daß "Schusterhölzer" drinnen sind, deren Ende, bilde ich mir ein, ich jetzt auch sehen kann. Können nun aus dieser
offenen Wurzel irgendwelche Füllungen austreten, die gefährlich für
die Gesundheit meines Babys werden könnten? Was bedeutet es für mein Baby, wenn ich so ein Schusterholz oder irgendeine andere Füllung aus der Wurzel oder auch aus der Wurzelspitze verschlucke? Und kann man, wenn nur eine Wurzel vorhanden ist, diese in keiner Weise mehr für einen Aufbau verwenden? Auch habe ich mir überlegt für eine eventuelle
Reinigung einen Spülautomaten zu verwenden, oder kann ich da
an der Füllung mehr beschädigen als nützen oder ev. auch Speisereste/Bakterien noch schneller in die Wurzel vorantreiben, was eine Entzündung beschleunigen könnte? Vielen Dank für Ihre Antwort!
Herr Daniel P. Grotzer Antwort vom 13.03.2008 17:18 Uhr

Sehr geehrte Kathy,

wenn ein Zahn mit oder ohne Wurzelfüllung zu stark zerstört ist, so kann man ihn oftmals nicht mehr retten und muß ihn leider extrahieren. Ist allerdings noch genug Substanz übrig, kann er mit einer Wurzelkanalbehandlung versehen und wieder aufgebaut werden, z.B. mit Hilfe eines stabilisierenden Stiftes (sog. Stiftkernaufbau).

So wie Sie die Situation schildern, stellt ein kariös zerstörter Wurzelrest mit einer alten Wurzelfüllung einen potentiellen Bakterienherd dar. Dieser kann nicht nur für Entzündungen im unmittelbaren Mundbereich, sondern auch für eine Bakterienstreuung im Körper verantwortlich werden.

In einer Wurzelfüllung, wie sie meistens verwendet wird, sind nun in der Regel keine Stoffe vorhanden, welche ein großes Risiko für Ihr Kind darstellen. Diese Füllungen bestehen normalerweise aus Guttapercha. Der Hauptbestandteil ist übrigens – im Gegensatz zum Namen- Zinkoxid.

Mein Rat: Sprechen Sie mit Ihrem Gynäkologen über die Behandlungsmöglichkeiten während Ihrer Risikoschwangerschaft , inbesondere ob und welche Lokalanästhetika in Ihrem individuellen Fall in Frage kommen. Wenn er in dieser Hinsicht keine Bedenken hat, dann lassen Sie diesen Zahn behandeln bzw. entfernen. Während einer normalen Schwangerschaft zumindest  stellt eine Wurzelkanalbehandlung oder Zahnentfernung kein unlösbares Problem dar.

Ich hoffe, Ihnen damit etwas geholfen zu haben.

Schönen Abend und die besten Wünsche für die Schwangerschaft.

D.P.Grotzer





Daniel Grotzer
Fachspezialist für Oralchirurgie und Implantologie
Bödekerstr. 11
D - 30161 Hannover
Telefon 49 511 341100
Telefax 49 511 341104
Homepage

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im DocMedicusGesundheitsportal unter
Zahn- und Zahnhalteapparaterkrankungen

Experten aller Facharztrichtungen beantworten Ihnen kostenfrei und auf Wunsch auch anonym Ihre persönlichen Fragen.

Beachten Sie bitte, dass der Expertenrat nicht den Arztbesuch ersetzt. Gehen Sie in akuten Krankheitsfällen bitte immer sofort zu Ihrem Arzt.


Die Experten, die Sie ehrenamtlich beraten, sind Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP) e. V.

Sie setzen in ihrer Arztpraxis das DocMedicus Arzt- und Patienteninformationssystem ein.