Forenthema:Sport und Bewegung
Forentitel:Freizeit-, Breiten- und Gesundheitssportler
Beitrag:Chronische Patellasehnenreizung
AutorFrage an den Experten
Herr Mathias Noack vom 06.04.2019 07:45 Uhr

Hallo! Ich plage mich seit ca. 3,5 Jahren mit einer Reizung der Patellasehne durch eine verschobene Kniescheibe. Verursacht durch zu hartes Fahrradtraining. Ruhe oder Dehnübungen nach Liebscher- Bracht oder leichtes Training auf dem Crosstrainer blieben bisher erfolglos. Es gibt durchaus auch schmerzfreie Zeiten. Nicht unbedingt belastungsabhängig. Der Schmerz sitzt dann direkt auf dem Höcker unter der Kniescheibe. Haben Sie noch irgendeine Idee? MfG M . Noack

Herr Dr. Frank Schade Antwort vom 08.04.2019 09:46 Uhr

sehr geehrter Herr Noack,

ich darf Ihre Frage wie folgt beantworten:

Nach Ihrer Schilderung leiden Sie unter einer sehr chronifizierten Entzündung der Schienbeinrauhigkeit ( Tuberositas tibiae). Dort setzt die Kniescheibensehne an. 
Es handelt sich um ein Leiden, welches durch Überlastung in der Regel in etwas fortgeschrittenem Alter aurftritt, sofern es nicht eine Wachstumsstörung im Kindesalter ist. Mit Dehnung und Pausierung von sportlichen Aktivitäten ist es in der Regel nicht erfolgreich zu therapieren.

Die Therapie nach Liebscher und Bracht ist durchaus sinnvoll, dieser Krankengymnast überschätzt seine Therapie-Ansätze aber gelegentlich!

Sie benötigen neben Pause und täglicher (!!) mehrfacher technisch optimierter Dehnung ( Anleitung/Einweisung durch Krankengymnastin) auch entzündungshemmende Medikamente ( z.B. Diclofenac) über einen mehrwöchigen Zeitraum (konsequent und ohne Pause!!), evt. ist darunter auch ein Magenschutzpräparat erforderlich .

Auch Reizstromtherapie ,Verwendung einer spezielle Kniebandage ( insbesondere beim Sport)und evtl. auch TENS -einsatz könnte hilfreich sein!

Intensivere Maßnahmen auf kassenärztlichem Sektor wäre die mehrfache Röntgenreizbestrahlung oder die Operation,die gegen die Risiken abzuwägen ist. Keine dieser beiden Therapien empfehle ich meinen Patienten.

Damit sind die kassenärztlichen Maßnahmen ausgeschöpft!
Keine dieser Therapie ist bei chronischen Fällen sehr erfolgreich, auf jeden Fall dauert es damit sehr lange !!
Der Gesetzgeber bezahlt nicht die besten, sondern die Leistungen, die " wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig"sind. Deswegen erübrigt sich die Frage,warum der Gesetzgeber die mittlerweile von Ärzten empfohlenen Therapien nicht bezahlt. 

Sofern Sie bereit sind, Selbstzahlerleistungen in Anspruch zu nehmen ohne bei den wichtigen Gesundheitsfragen nicht zuerst auf den Preis zu achten, kann ich folgendes Vorgehen empfehlen:

1. Fokussierte Stoßwellentherapie 5-8 x im Wochenabstand. 
2. KG mit Dehnung , von mir aus auch nach LB ( s.o.) 
3. Wobenzym 3x2 Dragees tgl. übe 6 Wochen.
4. Kniegelenkbandage 
5. Eigenbluttherapie am Sehnenansatz ( 3-5x, jede Woche oder in 2-wöchigem Abstand)
6. Osteopathie und Fascientherapie nach Typaldos
7. BASO 3x2
8. GS 3x1 
9. Omega 3x2

Wer leider ein Leiden über Jahre verschleppt, muss am Ende mit durchaus höheren Kosten rechnen!!
Man sollte durchaus für den Punkt 1 oder 5 (alternativ) mit 1000,- Euro rechnen. 
Zusätzlich kann begleitend Punkt 6 durchgeführt werden ( ca. 500 Euro insgesamt).
Und obendrauf noch in der angegebenen Dosierung Punkt 7-9 über 3 Monate.


Vielleicht ist dann Ihr Geldbeutel geschmälert, aber die chronsichen Beschwerden sind weg!


Wünsche viel Erfolg!

Dr. Frank A. Schade
Facharzt für Orthopädie – Sportmedizin 
www.ortho-agil.de

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im DocMedicusGesundheitsportal unter
Freizeit-, Breiten- und Gesundheitssportler

Experten aller Facharztrichtungen beantworten Ihnen kostenfrei und auf Wunsch auch anonym Ihre persönlichen Fragen.

Beachten Sie bitte, dass der Expertenrat nicht den Arztbesuch ersetzt. Gehen Sie in akuten Krankheitsfällen bitte immer sofort zu Ihrem Arzt.


Die Experten, die Sie ehrenamtlich beraten, sind Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP) e. V.

Sie setzen in ihrer Arztpraxis das DocMedicus Arzt- und Patienteninformationssystem ein.