Forenthema:Gesundheitsvorsorge – Prävention – Krankheiten
Forentitel:Zahn- und Zahnhalteapparaterkrankungen
Beitrag:Kieferhöhlenentzündung durch Zahn
AutorFrage an den Experten
Herr Schnoberich vom 21.02.2019 12:56 Uhr

Durch CT wurde der entzündete Zahn, der die Ursache für die Kieferhöhlenentzündung war, extrahiert. Seit der Extraktion sind jetzt 5 Monate vergangen, ich habe keinerlei Schmerzen, spucke vielleicht einmal am Tag etwas Schleim aus, aber sonst ist alles gut. Die Ultraschalluntersuchungen der Kieferhöhle beim HNO Arzt ergeben, daß alles frei ist. Es wurden nach 2 und 5 Monaten zwei weiter CTs gemacht, die aber weiterhin den Befund einer Pansinusitis bewertet durch die Radiologin anzeigen. Die Kierferhöhle ist im CT signifikant unterschiedlich zu der "unbetroffenen" Kieferhöhle. Auf der einen Seite bin ich beschwerdefrei und die Ultraschalluntersuchungen zeigen eine freie Kieferhöhle, auf der anderen Seite sieht das CT ganz anders aus. Der HNO Arzt hat die Hypothese eine reaktiven Schleimhautschwellung. Der Kieferchirurg ist eher der Meinung, daß es sich um eine Füllung durch Schleim handelt. Ich habe im Mai einen OP Termin, um den Schleim zu beseitigen,weil der wohl entfernt werden sollte, da die Flimmerhärchen mit dem Abtransport überlastet sind. 

Im Moment ist meine Entscheidungslage wie folgt :

- ich vertraue dem Kieferchirurgen und würde mir den Schleim entfernen lassen, obwohl mich die OP ängstigt.

Was mir helfen würde, wäre, ob es einen solchen Fall schon mal gegeben hat, und wie dort entschieden wurde. Wie aussagekräftig sind Ultraschalluntersuchungen im Vergleich zu CTs. Gibt es vielleicht neue Generationen von Ultraschallgeräten, die diesen Widerspruch auflösen ?

Was ich in jedem Fall vermeiden möchte, ist, daß der Kieferchirurg die Kieferhöhle anbohrt, feststellt, daß dort gar kein Schleim ist,

sondern, daß es sich um eine reaktive Schleimhautschwellung handelt. Abgesehen davon lehne ich auch jede weitere Röntgenuntersuchung ab.

Würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Ratschläge geben könnten.

Herr Daniel P. Grotzer Antwort vom 23.02.2019 19:14 Uhr

Sehr geehrter Herr Schnoberich,

bitte haben Sie Verständnis dafür, daß ich aus der Ferne und ohne Sie gründlich untersucht und die erfolgte Bildgebung beurteilt zu haben, natürlich keine gültige Diagnose stellen kann. Ich kann Ihnen allerdings ein paar allgemeine Hinweise zu Kieferhöhlenproblematiken geben:

Es ist gut möglich, daß der entzündete Zahn, welcher letztendlich entfernt wurde, auch eine Entzündung in der Kieferhöhle verursacht hat. Man nennt dies eine sog. odontogene Sinusitis, sprich eine zahnbedingte Entzündung der Kieferhöhle. Als Reaktion der Kieferhöhlenschleimhaut ist nun beides denkbar: eine reaktive Schwellung der besagten Schleimhaut, als auch eine Flüssigkeits- und Schleimbildung. Auch gibt es harmlose sog. Pseudozyten in der Kieferhöhle, welche mit Schleim gefüllt sind. Diese können aufgehen und den Schleim in die Kieferhöhle entlassen, woraufhin es natürlich auch zu den genannten Symptomen kommen kann. Logischerweise sinkt Flüssigkeit durch die Schwerkraft nach unten in der Kieferhöhle. Leider befindet sich die Öffnung der Kieferhöhle nun aber ganz oben. so daß es Flüssigkeit und Schleim sehr schwer haben, wieder abtransportiert zu werden. Befinden Sie sich nachts in einer liegenden Position, so gelangt natürlich mehr Flüssigkeit zum Ausgang und man kann dadurch vor allem morgens das Ausspucken von Schleim beobachten.

Generell ist ein CT für die Diagnostik der Kieferhöhle sehr gut geeignet und meist kann man auch eine reaktive Schwellung von einem Flüssigkeitsspiegel gut unterscheiden. Eine Ultraschalluntersuchung ermöglicht diese Unterscheidung nicht im gleichen Maße, kann aber für eine Verlaufskontrolle das Mittel der Wahl sein, da man damit den Patienten keiner Röntgenstrahlung aussetzt.

Da Sie beschreiben, daß Sie durchaus Schleim ausspucken, liegt der Verdacht auf ein solches Geschehen in der Kieferhöhle nahe. In unserem Fachgebiet gibt es diesen etwas flapsigen Spruch "Einmal Kieferhöhlenpatient, immer Kieferhöhlenpatient". Dies soll unterstreichen, wie wichtig es ist, auf die Strukturen der Kieferhöhle gut zu achten und einerseits extrem invasive Maßnahmen  - sofern möglich - zu vermeiden, als auch eine Chronifizierung einer Sinusitis zu verhindern. Einen kleinen operativen Zugang zur Kieferhöhle zu schaffen, um eine Absaugung bzw. ein Ablaufen evtl. Flüssigkeiten zu ermöglichen und darüber ggf. auch die Kieferhöhle spülen zu können, gehört zu den kleineren und schonenderen Therapien. Im Rahmen des Eingriffs kann der Arzt ggf. auch mittels eines Endoskopes (also einer kleinen Kamera) die Kieferhöhle und die Schleimhaut inspizieren und sogar eine kleine Probe entnehmen.

Sollten Sie sich hier noch unsicher sein oder weitere Fragen zum Eingriff haben, so wenden Sie sich an den MKG-Chirurgen Ihres Vertrauens. Er wird Ihnen in Ihrem konkreten Fall mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Ich wünsche Ihnen Besserung und ein schönes Wochenende.

Herzliche Grüße,

Daniel P. Grotzer

Herr Schnoberich Antwort vom 25.02.2019 19:34 Uhr

Vielen Dank Herr Grotzer für die ausführliche und schnelle Antwort.

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